Antworten, und zwar überraschende

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Muss dort ein Ausrufezeichen stehen? Wird dieses Wort groß- oder kleingeschrieben? Zusammen oder getrennt? Man kann nicht alles wissen, man muss nur wissen, wen man fragen kann. Dort gibt es dann zumeist eine Antwort und vielleicht auch gleich die Gewissheit, auf dem sprachlichen Holzweg zu sein.

So wurde ich gefragt, ob vor „und zwar“ ein Komma steht. „Und zwar“ leitet eine nachgestellte Erläuterung ein und daher muss dort ein Komma hin. Anders als bei anderen Erläuterungen („vor allem“, „außer“, „besonders“) finde ich aber „und zwar“ in Texten ziemlich überflüssig. In der gesprochenen (Alltags-)Sprache sieht das anders aus, da werden die Sätze oft während des Sprechens erst gebildet. Bei geschriebenen Texten darf sich der Autor indes mehr konzeptionelle Zeit nehmen. Somit war meine Antwort auf die Frage überraschend: „Ja, mit Komma, aber schreibe das besser gar nicht.“

Ich habe tatsächlich bislang keinen triftigen Grund gefunden, „und zwar“ in Sachtexten zu verwenden. Es gibt einfach bessere Varianten, die das Gleiche kürzer, transparenter, einfacher, direkter sagen.

Peter kauft ein, und zwar Äpfel und Birnen.
Peter kauft ein: Äpfel und Birnen.
Peter kauft Äpfel und Birnen ein.

Wir erhalten zweimal pro Woche neue Ware, und zwar am Dienstag und Donnerstag.
Wir erhalten zweimal pro Woche neue Ware: am Dienstag und Donnerstag.
Wir erhalten zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, neue Ware.

Ich werde mich nächste Woche melden, und zwar spätestens am Dienstag.
Ich werde mich nächste Woche melden, spätestens am Dienstag.

Sie war verletzt, und zwar schwer.
Sie war schwer verletzt.

Sie war verletzt, und zwar schwer, sodass sie mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden musste.
Sie war so schwer verletzt, dass sie mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden musste.

Was für „und zwar“ gilt, gilt für vieles andere in der Sprache. Wie lautet also das Fazit? Die Formulierung, die Ihnen als erstes einfällt, ist nicht unbedingt die beste. Wenn Sie also nicht wissen, wie etwas geschrieben wird, werten Sie das als „Wink des Lektorengottes“, der Sie zwingt, noch einmal nachzudenken. Und für alle Lektoren und andere Sprach-Profis gilt: Sagen Sie nicht einfach, wie was geschrieben wird, sondern fragen Sie auch nach dem Kontext. Denn eine Formulierung, die – dank Ihrer Antwort – richtig ist, wird anschließend nicht unbedingt auch richtig verwendet.

Grafik/Animation: Volker Lahr

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