Besser als richtig (1): Durchkopplung mit Abkürzung

Besser als richtig

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Einige Konstruktionen, Formulierungen, Schreibweisen und Begriffe in der deutschen Sprache werden nicht häufig verwendet. Vermutlich sind sie daher auch anfälliger für Fehler. Nun lassen sich solche ungewohnten Dinge vorab nachsehen und, wenn es dann doch passiert ist, lassen sich Fehler korrigieren. Lektoren wollen schließlich auch leben. Beim Umgang mit den Seltenheiten gibt es aber noch eine dritte Möglichkeit: Prüfen Sie, ob Sie nicht gänzlich darauf verzichten sollten. Was richtig ist, ist nicht zwingend gut, also verständlich und lesefreundlich. Was für den Schreiber ungewohnt ist, ist es meistens auch für den Leser. Daher: Nachsehen ist nicht verkehrt, das anschließende Nachdenken ein Muss. Das Ziel sollte immer sein: Nicht nur richtig, sondern auch gut.

Worum geht’s?

Zugegeben, ich kenne die Bezeichnung nicht. Falls jemand sie weiß, schreibe er sie bitte in die Kommentare. Nennen wir sie vorerst “Durchkopplung mit Abkürzung”.

Wie geht es richtig?

Eine Abkürzung wird, so lautet eine redaktionelle Regel, bei der ersten Nennung im Text eingeführt. So weiß der Leser, was die Abkürzung bedeutet, wenn sie später erneut auftaucht.

Künstliche Intelligenz (KI) ein Teilgebiet der Informatik. KI wird für die Forschung immer wichtiger.

Zusammengesetzte Konstruktionen werden durchgekoppelt, also jede Lücke wird mit einem Bindestrich ausgefüllt.

Aus “Forschung der (oder zur) künstlichen Intelligenz” wird “Künstliche-Intelligenz-Forschung”.

Will oder muss (da erste Nennung) der Schreiber die Abkürzung innerhalb der durchgekoppelten Konstruktion einführen, heißt es:

Künstliche-Intelligenz(KI)-Forschung

Die Abkürzung folgt tatsächlich ohne Leerzeichen hinter dem Begriff. Komisch, oder?

Kommt selten vor und ist häufig falsch. Entweder wird nicht richtig gekoppelt oder die Abkürzung findet sich dahinter:

Falsch: Künstliche-Intelligenz-Forschung (KI)

KI steht aber nicht für die Künstliche-Intelligenz-Forschung, sondern für Künstliche Intelligenz.

Geht’s noch?

Schön ist auch die richtige Konstruktion nicht, macht die Rechtschreibprüfung ganz “wuschig” und stört den Lesefluss. Warum soll man sein eigenes Leben und das des Lesers unnötig schwer machen?

Das geht besser!

Führen Sie die Abkürzung ein, wenn der ausgeschriebene Begriff alleinsteht. Steht er nicht? Dann ändern Sie den Text so, dass der Begriff zunächst ohne störendes Durchkoppel-Beiwerk auftritt. Wirkt weniger künstlich und ist in jedem Fall intelligenter.

Grafik: Volker Lahr

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