Nur Fehler korrigieren? – Da muss doch noch mehr sein!

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In meiner Schulzeit war „streng“ ein Schimpfwort. Ich weiß nicht, was seitdem passiert ist, dass ich neulich diese Äußerung einer Kundin als Kompliment wertete: „Sie müssen auch nicht immer so streng sein!“ Danke! Und „streng“ ist gar kein Ausdruck! Ich bin ein harter Hund, wenn es darum geht, mich neben den nicht diskutierbaren Korrekturen auch zu anderen Auffälligkeiten auszulassen. Auffälligkeiten, die in keinem Wörterbuch stehen, aber die – wenn man es mit Sprache ernst nimmt – auch nicht „Geschmacksache“ sind, wie es so mancher glaubt.

Für mich bedeutet Korrekturlesen immer auch ein “inhaltliches” Prüfen. Anders gesagt: Wäre die Technik schon weiter, würde das bloße Korrekturlesen (das im engen Sinn) auch ohne einen Menschen möglich sein. Aber selbst, wenn das irgendwann so ist, werden inhaltliche Ungereimtheiten, sprachliche Unzulänglichkeiten, Anschlussfehler, ungewollte Verkürzungen, fehlende Wörter und stilistische Fehltritte nur Menschen aufdecken können.

So hatte ich neulich diesen Satz vor mir liegen:

„Und da wir entsprechende Maßnahmen getroffen haben, können die Daten von Dritten nicht mehr benutzt werden.“

Der Korrektor (oder seine Software) macht einen Haken. Aber Stopp! Missverständlich. Welche Daten sind jetzt genau gemeint? „Daten von Dritten“? Nö. Verhindert werden soll, dass Daten durch Dritte benutzt werden. Somit wäre die passende Formulierung:

„Und da wir entsprechende Maßnahmen getroffen haben, können die Daten nicht mehr von Dritten benutzt werden.“

Auch in diesem Fall stellte ich mich (extra) blöd:

„Die Verbindung von traditionellen Yogaformen und wissenschaftlichen Erkenntnissen steigert deine Beweglichkeit.“

Nicht die Verbindung steigert die Beweglichkeit, sondern die Yoga-Übungen, die durch wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert sind.

Sachtexte müssen eindeutig sein, damit der Leser weiterliest. Ich werde mich daher nicht durch Äußerungen wie „Ja, aber das versteht man doch!“ vom Pfad der „Strenge“ abbringen lassen. Versteht sich von selbst.

Noch ein Beispiel aus meiner Praxis:

„Durch seine Mitwirkung hat unser Team beim Bürgermeister hohen Stellenwert erlangt.“

Moment, wer ist jetzt genau mit „seine“ gemeint? „Seine“ bezieht sich nicht eindeutig auf das „Team“. Pech, dass der Bürgermeister keine Frau ist – dann wäre es einfacher. Hilft nichts, an diesen Satz muss man noch einmal ran. Also:

„Durch die Mitwirkung unseres Teams hat es beim Bürgermeister hohen Stellenwert erlangt.“

Mit dem Korrekturlesen ist es ähnlich wie dem autonom fahrenden Bus. Mit technischen Hilfsmitteln bewegt er sich zwar schon ziemlich gut voran, dennoch muss immer noch ein Mensch danebensitzen, um die wirklich gefährlichen Fehler zu verhindern. Und natürlich, wenn Schulkinder Schokolade auf die Sitze schmieren. Denn ein Busfahrer, der ist ja nun wirklich streng. Und das versteht man auch!

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