Sehr viele Hasen in Paderborn

Lektor und Hektor - Ostern

[Geschätzte Lesezeit: 1 Minuten, 38 Sekunden]

Auf dem Rückweg aus einem vorgezogenen Osterurlaub hörte ich im Radio mindestens drei Mal dieselbe Nachricht über eine Hasenzählung in NRW. Keine Ahnung, ob die Redaktion das Thema eigens wegen Ostern ausgesucht hatte, ob die Jäger deswegen gezählt hatten, oder ob es auch eine Art „Osterloch“ gibt – jedenfalls liefen die Hasen auf der A 44 zwischen Bad Wünnenberg und Heimat immer wieder über den Äther.

Diese nachrichtliche Penetration blieb nicht ohne pädagogischen Effekt: Jetzt weiß ich nicht nur, dass in Paderborn die meisten Hasen leben, sondern auch, dass es für den „Hasen“ kaum Synonyme gibt. In der Meldung kam sieben Mal „Hasen“ vor. Wenn ich auf meine verbleibenden Mathekenntnisse vertrauen darf, sind das bei 84 Wörtern 8,33 Prozent „Hasen“. Respekt.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Redakteur sich große Mühe gegeben hatte, die Hasenansammlung zu vermeiden. Entweder ist er so neu im Geschäft, dass er von der Variation in der Wortwahl noch nie etwas gehört hat, oder er ist schon so lange dabei, dass er weiß: Die zwanghafte Suche nach einem Synonym ist nicht immer die beste Wahl. Hase ist halt Hase.

Gut, der Redakteur hätte öfter das Wort „Tiere“ unterbringen können. Aber vielleicht war der Schreiber ein ganz ausgefuchster Suchmaschinenoptimierer, denn der Text findet sich jetzt auch im Netz. Oder ein alter Hase, also ein erfahrener Kollege, hat ihm gesagt, dass es im Radio gern etwas redundanter sein darf. So würde das alles Sinn ergeben. Aber warum schreibt der Autor dann in der letzten Zeile der Meldung doch noch „Hoppler“ statt „Hasen“? Zum einen hätte ich eher „Meister Lampe“ erwartet, zum anderen würde man doch, wenn es wirklich um Variation geht, das Synonym eher zwischendurch mal einstreuen.

Ich nehme an, der Redakteur musste dringend weg, um mit seinen Kindern Eier zu färben oder einen Rührteighasen zu backen, irgendjemand hat dann noch diesen einen, letzten Satz ergänzt und damit das gesamte Variationskonzept des Artikels über den Haufen geworfen. Und meine Interpretationen dazu ebenfalls. Ob ein Versehen dahintersteckt oder ob er sich nicht getraut hat, einfach noch einmal „Hasen“ zu sagen – der alte Hasenfuß –, ich weiß es nicht. Und ich werde es nie erfahren. Mein Name ist Hase (abgesehen von meinem Wissen um die Paderborner Hasenpopulation). Wünsche frohe Ostern!

https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/hasenzaehlung-jaeger-hasenpopulation-owl-100.html

Lesen Sie auch diesen Blogbeitrag:

Nimm zwei! – Bessere Texte durch eine gesunde Variation

Zeichnung: Volker Lahr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.