Satzzeichen-Serie (Folge 4): Zeichen für die Ewigkeit

Fragezeichen-Cover

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Anders als beim Semikolon und beim Bindestrich ist die Gefahr beim Fragezeichen doch eher gering, dass es einmal aussterben wird. Haben wir das Goethe, Schiller oder Heine zu verdanken? Nein, eher doch Justus, Peter und Bob. Solange die Jungs als „Die drei Fragezeichen“ auch in den kommenden Jahrhunderten grüne Geister entlarven, mit Totenköpfen sprechen oder schwarze Katzen schießen, muss ich mir um dieses Satzzeichen keine Sorgen machen. Da sieht man wieder, was Europa alles bewirken kann.

Es gibt aber noch einen sprachlichen Grund, warum das Fragezeichen für die Ewigkeit bestimmt ist. Was Friseure können, können nur Friseure. Nein, Quatsch! Was Fragezeichen können, können nur Fragezeichen – das wollte ich sagen. Wenn Sie in Ihrem Text eine Frage stellen möchten, brauchen Sie dafür das Fragezeichen. Das Semikolon indes müssen Sie nie einsetzen, wenn Sie es nicht wollen. Es ist ein „optionales Satzzeichen“. Keine Ahnung, ob es diesen Fachbegriff gibt, hört sich aber sehr gebildet an.

Sind Fragen in Texten nicht ziemlich sinnfrei? Man bekommt ja eh keine Antwort. Ja, so ist das halt bei rhetorischen Fragen. Das Schöne daran: Der Leser wird direkt angesprochen, ja geradezu zum Denken aufgefordert. Schluss mit der Predigt, jetzt bist du dran! Diese Fragen sind also eines der Mittel der Wahl, will der Schreiber eine Interaktion mit dem Leser anstoßen – und sei es nur eine gedankliche.

Ein Fragezeichen spricht nicht alles direkt aus, sondern macht um die Antworten (zunächst) ein Geheimnis. Oder, um es mit Justus Jonas zu sagen: „Die Fragezeichen sind ein allgemeines Symbol für das Unbekannte, für ungelöste Rätsel und Geheimnisse aller Art.“ Ist das nicht herrlich? Das Geschriebene fragt mich, den Leser. Na, wenn das nicht meine Aufmerksamkeit weckt, dann weiß ich es auch nicht mehr. Denn wer guckt nicht gern „Wer wird Millionär?“

Verschenken Sie nicht die Möglichkeiten dieses tollen Satzzeichens. Verfallen Sie aber auch nicht dem Fragezeichen-Journalismus. “Sieht so das Handy der Zukunft aus?” “Ist das der Mörder der kleinen Anna?” “Werden wir bald alle vergiftet?” Wenn Sie keine Antworten haben, sondern über Ihre Fragen in der Headline nur zum Klicken anregen wollen, werden Sie schnell durchschaut. Jemand wie Justus Jonas käme Ihnen garantiert auf die Schliche. Keine Frage.

Bereits erschienen in dieser Serie
Ausruf der Wildnis
Weder Fisch noch Fleisch – das Semikolon
Jetzt mach‘ aber mal ‘nen Doppelpunkt!

Foto/Grafik: Volker Lahr

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