Lass Worten Zitate folgen! – Fünf Tipps, wie Sie richtig und gut zitieren

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Ein Arbeitskollege gratulierte mir vor einigen Tagen zu einem Artikel auf dem Online-Portal eines Nachrichtensenders. Also kein Artikel von mir, sondern über mich: „Lahr ist Integrationsmeister“ hieß es dort (https://www.n-tv.de/politik/Lahr-ist-Integrationsmeister-article20689269.html). Natürlich war das mit den Glückwünschen nur ein Spaß. Wer sich topografisch besser auskennt als ich, der hat das auch gleich geahnt. Lahr ist eine Stadt im Schwarzwald und die habe, schreibt der Reporter, dank der “Lahrer Rezeptur” in den 1990er Jahren reibungslos 10.000 Russlanddeutsche integriert. Das brachte mich auf den Gedanken, selbst eine „Lahrer Rezeptur für Integration“ zu verfassen. Denn in Presse- und PR-Texten werden Elemente aus anderen Kontexten oder Quellen verwendet. Schreiber zitieren. Und wer zitiert, integriert.

Wenn Journalisten Politiker oder Wirtschaftsvertreter zitieren, dürfen sie nur das wiedergeben, was auch wirklich geschrieben oder gesagt wurde. Wir Texter und Unternehmensredakteure haben da einen großen Vorteil: Wir können uns Zitate ausdenken. Oft müssen und wollen wir das sogar, weil der Zitierte nicht greifbar ist, weil er das Schreiben per se nicht als seine Aufgabe ansieht oder weil er gar nicht in der Lage wäre, ein geeignetes Zitat für Redaktionen zu formulieren – auch wenn er es vielleicht meint.

Aber keine Sorge! Das Zitat wird nicht einfach so erscheinen. Der Zitierte wird es im Normalfall freigeben (siehe dazu auch: “Freigabe organisieren – Fünf Sätze, die Sie nicht hören wollen …”). Wir erfinden also etwas, was möglicherweise noch nie gesagt wurde, aber hätte gesagt werden können. Wie sollte ein gutes Zitat in einer Pressemitteilung, einem Intranet-Artikel oder im Beitrag eines Mitarbeitermagazins aussehen?

1. Eine angemessene Mischung

Zitate lockern den Text auf und sind daher für die meisten redaktionellen Texte empfehlenswert. Zitate in Pressemitteilungen erleichtern dem Journalisten das Verfassen eines Beitrages für sein Medium und werten dieses auf: Denn ein Zitat erweckt den Eindruck, die Publikation habe mit dem Zitierten gesprochen. Dennoch sollte das Verhältnis zwischen Zitaten und dem Rest des Textes in einem angemessenen Verhältnis stehen. Eine kurze Meldung braucht nicht unbedingt ein Zitat. Ein längerer Text schon eher – wenn Sie aber zu viel zitieren, könnten Sie auch gleich ein Interview schreiben. Und es könnte der Eindruck entstehen, Sie machen es sich einfach, indem Sie nur O-Ton bringen. Also, achten Sie auf eine angemessene Mischung.

2. Ein informativer Inhalt

Verfassen Sie Zitate mit Informationswert, die den Text sinnvoll durch weitere Inhalte ergänzen. Zitieren Sie nicht nur, weil Sie gelesen haben, dass Zitate bei Lesern und Journalisten gut ankommen. Ihnen fällt nichts ein? Löschen Sie einen Fakt aus dem Text und verarbeiten Sie ihn im Zitat. Oder bringen Sie eine persönliche Stellungnahme des Zitierten. Je aussagekräftiger ein Zitat ist, desto größer ist auch die Chance, dass es beim Leser “ankommt” und ein Journalist es verwendet. Integrieren Sie schlüssig: Der inhaltliche Übergang zwischen Text und Zitat sollte flüssig sein. Schreiben Sie kurz, prägnant, gut verständlich (siehe dazu auch: Bessere (Sach-)Texte mit der Freak-Formel) und im Stil der gesprochenen Sprache. Nur so ist das Zitat schnell zu erfassen, nur so wirkt es natürlich und authentisch. Verwenden Sie bewusst die Ich- und Wir-Form.

Also nicht: „Die Eröffnung der neuen Niederlassung hat die Erschließung neuer Märkte zur Folge. Daraus resultiert eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze“, so Klaus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kost AG.
Sondern: „Mit der neuen Niederlassung werden wir weitere Märkte in Süddeutschland erschließen und langfristig Arbeitsplätze sichern“, so Klaus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kost AG.

Also nicht: “Schon der Start der Ausbildung hat mir große Freude bereitet”, berichtet der Auszubildende.
Sondern: “Meine Ausbildung macht mir seit dem ersten Tag großen Spaß”, sagt Azubi Peter Schulz.

Also nicht: “Der Glasbruchtest wurde anschließend außerhalb der Testräume durchgeführt”, erläutert der Ingenieur.
Sondern: “Dann haben wir draußen getestet, ob das Glas bruchsicher ist”, berichtet der Ingenieur.

3. Der richtige Zitatgeber

Wählen Sie den politisch/hierarisch und fachlich richtigen Zitatgeber. In Pressemitteilungen spricht zum Beispiel oftmals der Vorstand oder der Geschäftsführer. Das erhöht die Chance, dass das Thema in den Medien gebracht wird. Denn wer spricht schon täglich mit einem Vorstand? In anderen Publikationen wird bei fachspezifischen Themen der Leiter der Fachabteilung zitiert oder die Person, die im Mittelpunkt des Artikels steht.

4. Eine vollständige Quellenangabe

Identifizieren Sie die zitierte Person spätestens beim ersten Zitat. Dazu gehört der vollständige Name (bitte nicht „Mann“ oder „Frau“) sowie die Position im Unternehmen. Wird diese Person häufiger zitiert, können Sie später nur noch den Namen oder die Position nennen:

„Mit der neuen Niederlassung werden wir weitere Märkte in Süddeutschland erschließen und so langfristig Arbeitsplätze sichern“, sagt Klaus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Kost AG. Am neuen Standort in München werden zunächst 450 Mitarbeiter beschäftigt sein. „Die Eröffnung ist ein wichtiger Schritt unserer Expansionsstrategie“, erläutert Schmidt.

Um ein Zitat einzuleiten oder abzuschließen, verwenden Sie Wörter wie ‚sagt’, ‚erläutert’, ‚erklärt’, ‚berichtet’ oder das zeitform-neutrale ‚so‘. Sie können das Kennzeichnungswort auch weglassen, sofern die Zuordnung eindeutig ist.

Aus meiner Sicht nicht akzeptabel sind folgende Konstruktionen. Sie wirken gestelzt und sind sehr weit von gesprochener Sprache entfernt. Und wer kann schon ein Zitat „lachen“ oder „wissen“?

Bitte nicht:

„Dadurch werden wir langfristig Arbeitsplätze sichern“, ist sich der Vorstandsvorsitzende sicher.
„Ich werde mir die neue Niederlassung schon bald ansehen“, lacht der Vorstandsvorsitzende.
„Wir werden so Arbeitsplätze sichern“, weiß der Vorstandsvorsitzende.

5. Die richtige indirekte Rede

Wenn Sie viel Gesagtes von einer Person wiedergeben, Sie aber nicht immer wörtliche Rede verwenden wollen, nutzen Sie einfach die indirekte Rede. Diese wird mit dem Konjunktiv gebildet.

Die Eröffnung sei (nicht: wäre) ein wichtiger Schritt in unserer Expansionsstrategie, so Schmidt.

Noch ein Hinweis aus Sicht des Korrektors: Machen Sie es nicht nur dem Leser und dem Journalisten einfach, sondern auch dem Lektor. Die richtigen Anführungszeichen im Deutschen sind in gedruckten Texten Anführungsstriche unten (bei bestimmten Schriftarten sehen sie aus wir die Zahl 99) und Anführungstriche oben (66).

Fazit: Mit (guten) Zitaten in einem redaktionellen Text ist es so wie mit Sahne auf einem Pflaumenkuchen. Es geht auch ohne, aber mit ist schon geiler.

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