Von Kapsalon zu Kapsalon: Sätze für die Ewigkeit

Stern-Magazin auf dem Gepäckträger eines Fahrrades

[Geschätzte Lesezeit: 1 Minuten, 48 Sekunden]

Immer, wenn ich beim Friseur noch warten muss, und das muss ich eigentlich immer, lese ich einmal den gesamten Stern. Zeit genug habe ich. Mein Friseur schneidet jedem Kunden gut 40 Minuten lang die Haare, auch denen, die haarmäßig nicht (mehr) so gut bestückt sind. Ich will mich aber nicht beklagen – so eine entspannte Stern-Lektüre ist auch etwas Feines. Und vor allem: Ich kann in Ruhe die „Sätze für die Ewigkeit“ (also Sätze, die in einer bestimmten Situation in jedem Fall gesagt werden) studieren, mich dabei köstlich amüsieren, und mir wieder einmal vornehmen, selbst welche aufzuschreiben.

Bislang war daraus nie etwas geworden. Vermutlich fehlte mir das Thema und/oder die Zeit. Bei einem Kurzurlaub in den Niederlanden in der vergangenen Woche hatte ich beides. Wenn man gefühlt fast 24 Stunden am Tag zwischen Bergen, Alkmaar und Egmont auf dem Fahrradsattel verbringt, stellt man zunächst einmal fest: In den Niederlanden gibt es total viele Friseure. Achten Sie mal drauf – an jeder Ecke ein „Kapsalon“. Und man hat genug Zeit, sich ein paar Sätze für die Stern-Rubrik auszudenken. Obwohl man sich eigentlich gar nichts ausdenken muss. „Sätze für die Ewigkeit“ fliegen einem einfach so zu, sofern man die Ohren offen hält. Vermutlich fragt mein Friseur deshalb jedes Mal: „Ohren frei lassen?“ Wie auch immer. Hier also meine mitgebrachten „Sätze für die Ewigkeit“ – oder, wie der Holländer sagen würde, „Zinnen voor Eeuwigheid“.

Fahrradtour

  1. „Pump‘ noch mal ein bisschen!“
  2. „Da vorne müssen wir rechts!“
  3. „Die mit ihren E-Bikes!“
  4. „Da hinten hätten wir links gemusst!“
  5. „Geht mein Rücklicht?“

Ich habe überlegt, ob ich eine Variante für das Fahrradfahren in den Niederlanden schreiben soll. Dann hätte ich noch so etwas ergänzt wie „Unfassbar, wie die Holländer heizen!“ Und natürlich: „Mist, jetzt auch noch Gegenwind!“ Aber meine Tochter fragte mich, ob es nicht eigentlich „Brustwind“ heißen müsste. Es hieße ja schließlich auch „Rückenwind“. Das wurde mir dann im Urlaub doch alles wieder zu kompliziert. Und außerdem: Keine Ahnung. Sprache ist halt nicht systematisch. So wie bei einer Fahrradtour – mal geht’s rechts rum, mal links.

PS: Der aktuelle Stern berichtet bezeichnenderweise vom „Kampf um die Straße“. In Holland gibt es den auch. Es sei denn, ein Fahrradfahrer ist beteiligt (wie in 99 Prozent der Fälle) – der hat grundsätzlich Vorfahrt. Denn er hat es immer eilig. Ich weiß auch, warum! Friseurtermin!

Foto: Volker Lahr

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